Monthly Archives: Januar 2016

zum Beispiel so eine lange Bank

Beispiel so eine lange BankAus eins mach drei! Wir rechnen Ihnen das mal vor: Ein ganzer Stuhl ergibt zwei halbe Stühle, zwei halbe Stühle und eine eingefügte Brücke ergeben drei Sitzplätze.
Endlich ist es einmal erlaubt, ja sogar erwünscht, die Dinge auf die lange Bank zu schieben. Um Mißverständnissen vorzubeugen: Es handelt sich um eine gestreckte Bank und nicht um eine Streckbank.
Wem es besser gefällt, der kann das eingefügte Teilstück in Form- und Farbgebung dem umfunktionierten Stuhl angleichen. Wir fanden es reizvoll, den Kontrast zwischen dem Vorher und dem Nachher sichtbar zu unterstreichen.

Es geht auch gepolstert – Eine Sitzpolsterung muß Sie nicht abhalten, in der beschriebenen Weise zu verfahren. Sie wird nicht durchgesägt, sondern herausgenommen. In ihrem Auflagerahmen rastet dann die Sitzfläche ein. Bringen Sie dieses auf Paßform, indem Sie das Polster auf das Brett legen und dessen Umriß (jeweils zur Hälfte) anzeichnen.

Bei aller Technik – mit einer Handsäge (Fuchsschwanz) läßt sich so ein Stuhl immer noch am besten in zwei Hälften zerteilen.
Kanthölzer (3×3 cm) in der Länge der gewünschten Sitzfläche – in unserem Beispiel: 1 m – von innen gegen die Stuhlzargen schrauben. Dabei einen Spalt von 1 cm lassen, in den ein Brett zur Aufdoppelung an der Grenze zwischen alter und neuer Sitzfläche paßt. Die Verlängerung der Zarge und die Rückenlehne bestehen aus Multiplex (18 mm). Mit Holzdübeln (8 mm) in den Hirnkanten verleimen.  Die Sitzfläche (ebenfalls Multiplex) an den Kanten mit dem Bandschleifer abrunden, und zwar auch an den Schmalseiten. Nach dem Einpassen wird die Sitzfläche von unten – durch die Kanthölzer hindurch – verschraubt, am besten mit Spaxschrauben.  Klarlack läßt die Zeichnung des Holzes lebendig hervortreten und schützt seine Oberfläche. Zwei bis drei Anstriche sind empfehlenswert.

Zum Beispiel so ein Sideboard

Beispiel so ein SideboardKeine Frage, ein Vertiko ist ein Stück aus Großmutters Zeiten, ein Stück Nostalgie. Wir haben uns vorgenommen, es ins ausgehende 20. Jahrhundert herüberzuholen. Dazu waren im wesentlichen vier Chrombeine und eine 3 cm starke Multiplexplatte notwendig – und die Respektlosigkeit, den Aufsatz des alten Vertikos zu durchlöchern. Herausgekommen ist ein Mittelding zwischen Zierschrank und Anrichte, garantiert ein Unikat. Das Ganze erweist sich als anlehnungsbedürftig, weshalb wir sicherheitshalber an der Wand eine Leiste befestigt haben, auf der das Möbelstück ruht. Um zu betonen, daß unsere Neuschöpfung aus verschiedenen Quellen gemixt wurde, haben wir die Deckplatte in ihrem Holzton absichtlich nicht dem Korpus angeglichen.

Unter die Vorderkante des Vertiko-Aufsatzes werden zwei Chrombeine (Länge 72 cm, 0 6 cm, erhältlich im Baumarkt) geschraubt. Um den Beinen für das obere Bord einen Weg zu bahnen, werden Öffnungen durch Decke und Innenboden gesägt (Lochsäge, ∅ 6,3 cm). Die höhenverstellbaren Füße in den Chrombeinen werden innen am Boden des Vertikos festgeschraubt. Dann die Beine wieder aufsetzen. Das obere Bord, links und rechts je 10 cm, vorn 5 cm breiter als das Vertiko, wird an den Kanten um 45 Grad abgeschrägt und geschliffen. Damit das Bord genügend Halt hat, werden Ringe aus dem gleichen Material (Multiplexplatte) ausgesägt und mit der Oberfräse abgeschrägt. Die Ringe werden in Position gebracht und unter die Platte geleimt. Solange der Weißleim noch nicht abgebunden hat, die Platte auflegen. Mit aufgelegter Platte können die Ringe korrigiert werden. Zum Abstützen der Platte auf dem Vertiko hinten ein Brettchen befestigen. Das Sideboard lehnt an der Wand und bedarf zur Sicherheit einer Stützleiste, die in eine L-förmige Halterung an der Wand eingreift.

Zum Beispiel so ein kleiner Beistelltisch

kleiner BeistelltischWer behauptet eigentlich, daß immer alle vier Beine eines Tisches gleich aussehen müssen? Auch für diesen Vorschlag zum Möbel-Recycling gilt: Querdenken ist angesagt, und ein unvoreingenommener Blick zeigt scheinbar Vertrautes in neuem Licht.
Damit der Witz dieser Idee zur Geltung kommt, sollten Sie vier übriggebliebene Möbelbeine zusammensuchen, die sich nur in ihrer Länge ähneln und stilistisch so verschieden sind wie möglich. Damit ein durch und durch schräges Bild und nur ja keine Regelmäßigkeit entsteht, haben wir obenauf eine unbearbeitete Schieferplatte gelegt, bei der man rechte Winkel und Parallelen vergeblich sucht.
Was Sie dann noch brauchen, sind Gewindestangen mit Muttern – und Sinn für Ironie.

Sie brauchen alte Tisch- und neue Chrombeine, Gewindestangen (∅ 10 mm, Querverbindung: ∅ 5 mm) mit Hut- und Gewindemuttern. Die Tischbeine zweimal durchbohren (∅ 10,5 mm): von der Oberkante erst 3 cm, dann – nach einer Drehung um 90 Grad – 5 cm entfernt.  Vor dem Durchbohren des Chrombeins müssen an den zuvor markierten Stellen mit einem Körner kleine Dellen eingeschlagen werden. Die Gewindemuttern sorgen für die rundum gleichmäßigen Abstände der Beine, die dann mit Hutmuttern in endgültiger Postion fixiert werden.
Zwei Gewindestangen für die Verstrebung am Fuß des Tisches werden jeweils genau in der Mitte durchbohrt (∅ 5 mm). Die unteren Querverbindungen anbringen wie in Bild 4 und mit einer weiteren Gewindestange (0 5 mm) in der Mitte aussteifen.

Aluminium fürs Finish – Die Verstrebung aus unverkleideten Gewindestangen wirkt ausgesprochen technisch. Als Alternativlösung bieten sich Alurohre (der Innendurchmesser in unserem Fall: 10 mm) aus dem Baumarkt an, die über die Gewindestangen geschoben werden und ein ebenmäßiges Bild abgeben. Da sie ihrerseits für die Abstände sorgen, braucht man dann keine Gewindemuttern, statt dessen aber Unterlegscheiben für die Endpunkte.

Zum Beispiel eine tolle Kommode

KommodeKleider-, Besteck- und Badezimmerschränke, Sekretäre und Kommoden, Schreib- und Nachttische: Schubladen haben sie alle. Und es wäre doch schade, das betreffende Möbelstück als Ganzes zu entsorgen, sobald das Ende seiner Tage gekommen ist. Denn zumindest die Schubladen haben ein Weiterleben verdient.

Zum Ehrenkodex eines jeden Handwerkers gehört es zwar, daß gleichartige Werkstücke allesamt wie aus einem Guß wirken müssen. Aber im Falle unseres Schubladenschranks sehen wir das nicht so eng. Im Gegenteil: Wir finden es gerade attraktiv, daß sich jeweils höchstens drei der insgesamt dreizehn Schubladen gleichen,
so daß aus der Vielfalt der Größen, Formen, Hölzer und Beschläge ein ganz lebendiges Gebilde entsteht – sozusagen ein Patchwork-Schrank.

Ob Sie dem Möbel Beine machen oder unserem Vorschlag folgen und Rollen montieren, hängt weniger von seinem Ver-wendungszweck als von Ihrem Geschmack ab.

Der muffige Geruch, der sich oftmals in altem Mobiliar eingenistet hat, läßt sich mit einem simplen Trick vertreiben: Stellen Sie in die Schublade eine Schale mit Frischmilch (keine H-Milch) und warten Sie, bis diese sauer geworden ist. Die Sauermilch bindet den Mief, und wenn Sie die Schale wieder herausnehmen, ist das Innere der Schublade bzw. des Möbelstücks weitgehend geruchsneutral.

Einladung zur Ladenöffnung. Während sie sonst nur ein Element unter vielen sind, treten die Schubladen hier ganz unübersehbar und dekorativ in Erscheinung. Die Maße der Schubladen auf eine Sperrholzplatte (8 mm) übertragen, je zwei Löcher bohren, Konturen mit der Stichsäge aussägen.
Eine zweite Sperrholzplatte, die die Rückwand bildet, unter die ausgeschnittene legen und die Umrisse der Schubladen übertragen. In die Eckpunkte der Umrisse kleine Holzklötzchen leimen. Die sitzen dann dort, wo später die Laufleisten befestigt werden müssen.  Eckleisten (Kiefer, 2×2 cm), die als Laufleisten dienen, werden an den Ecken der Klötzchen senkrecht auf die Rückwand geleimt. Die Platte mit den Ausschnitten auflegen und mit je zwei Nägeln an den – makellos parallel ausgerichteten – Laufleisten befestigen.   Die sichtbare Frontpartie wird von einer Deckplatte (MDF, 19 mm) gebildet. Die Ausschnitte entstehen genauso, wie schon in Bild 1 gezeigt.  Der Korpus (Boden, Deckel, Seitenteile) besteht aus 10 mm starken MDF-Platten, die stumpf miteinander verschraubt werden.  Für das Finish aller sichtbaren Oberflächen sorgt ein zweimaliger Anstrich mit einer Möbellasur, die einen schönen Honigton ergibt.

Haben Sie auch noch alte Möbel?

Kennen Sie das? Auf dem Speicher oder im Keller rotten seit Jahren ein paar ausgediente Möbel oder deren Reste vor sich hin, und keiner will sie haben. Lassen Sie Ihre Phantasie spielen, dann entsteht daraus etwas ganz Neues!

Es ist in unzähligen Haushalten das gleiche: Alte Möbel fristen ein klägliches Dasein in den dunkelsten Ecken von Keller oder Dachboden, nehmen nutzlos Platz weg, aber irgendwie kann sich keiner entschließen, endlich die Leute vom Sperrmüll anzurufen. „Vielleicht ist der Plunder ja noch zu gebrauchen“, lautet der vage Gedanke. Und richtig: Die meisten der alten Stücke könnten ganz oder in Teilen wieder eine echte Zukunft haben, wenn man sie mit frischen Ideen aufmöbelt.

Wir behaupten: Der passende Zeitpunkt ist immer genau jetzt! Also legen Sie dieses Heft erst mal beiseite und sehen Sie nach, welche – vielleicht unvermutet wertvollen – Stücke bei Ihnen in den genannten Ecken so zu finden sind. Kommen Sie dann wieder zurück, blättern Sie weiter und lassen Sie sich zu eigenen Entwürfen inspirieren. Denn wir können Ihnen hier nur Beispiele dafür zeigen, was wir aus unserem vermeintlichen Sperrmüll gemacht haben. Bei Ihnen sieht’s natürlich anders aus, also sind Querdenken und spielerische Phantasie gefragt.

Der Reiz des Unterfangens besteht darin, daß Antikes und Heutiges ganz überraschende Verbindungen eingehen. Denn wir haben uns ja nicht aufs bloße Recycling beschränkt, sondern mit neugekauften Materialien und modernen Bauelementen – sowie einer Prise Humor – etwas zuvor nicht Dagewesenes geschaffen.